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Kühlung von Rechenzentren für eine KI-Welt

Rechenzentren stehen vor einer wachsenden Herausforderung: die effiziente, nachhaltige und großflächige Kühlung immer dichterer IT-Lasten. Nur wenige haben vorausgesehen, wie stark wir heute auf Immersionskühlung und Chip-Level-Kühlung angewiesen sind – und welchen nächsten Sprung die Branche durch künstliche Intelligenz (KI), Edge Computing und steigende IT-Leistungsdichten machen wird. Welche fünf Trends prägen eine energiebewusste Welt?

Da unser Leben zunehmend digital wird, sind Rechenzentren das Rückgrat von allem – von Videostreaming über Cloud-Computing bis hin zu künstlicher Intelligenz. Doch dieses Rückgrat wird heiß – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Anstieg der IT-Lasten, angetrieben durch KI, hochauflösende Medien und Echtzeit-Datenverarbeitung, erzeugt eine nie dagewesene Nachfrage nach effizienter Kühlung.

Diese Nachfrage zu erfüllen, erfordert mehr als nur neue Hardware – es braucht Innovation in Design, Integration und Nachhaltigkeit. Bei Deerns gehen wir diese Herausforderung direkt an: Wir entwickeln hybride und erweiterbare Kühlsysteme, die sowohl in Neubauten als auch in bestehenden Anlagen funktionieren.

Eine neue Ära: Der Aufstieg des High-Density-Computing

Traditionelle Rechenzentren wurden für IT-Racks mit einer Leistungsaufnahme von etwa 7–10 kW konzipiert. Heute begegnen wir regelmäßig Installationen mit 50 kW, in Extremfällen sogar 250 kW pro Rack.

" Die Herausforderung? Die enorme Wärmeentwicklung in gleichen oder sogar kleineren physischen Räumen zu bewältigen.
Christopher Leahy Projektdirektor

Es reicht nicht mehr aus, einfach nur mehr gekühlte Luft zu zuführen. Luftkühlung stößt in dicht gepackten, leistungsstarken Umgebungen an ihre Grenzen – sowohl in Bezug auf Gleichmäßigkeit als auch Effizienz.

Diese Entwicklung hat die Branche in eine Übergangsphase geführt, in der hybride Systeme – eine Kombination aus herkömmlicher Luftkühlung und fortschrittlichen Flüssigkeitskühlmethoden – zunehmend zum Standard werden.

Ein Blick ins Innere der Flüssigkeitskühlung: Technologie, die intelligenter arbeitet

Flüssigkeitskühlung ist mehr als ein Trend – sie ist eine Notwendigkeit für die Rechenzentren von morgen. Bei Deerns haben wir verschiedene Systeme untersucht und implementiert:

  • Immersionskühlung: Server werden in eine dielektrische Lösung getaucht, die die Wärme aufnimmt. Die Lösung wird kontinuierlich in den Kreislauf gebracht, gekühlt und in den Tank zurückgeführt. Betriebstemperaturen von etwa 35–36 °C machen diese Methode besonders energieeffizient, da sie den Bedarf an klassischen Kältemaschinen deutlich reduziert.
  • Direkte Chip-Kühlung: Kühlmittel fließt durch Plattenwärmetauscher, die in direktem Kontakt mit den wärmeintensiven Chips stehen. Die Wärme wird direkt an der Quelle abgeführt, wodurch die Leistung erhalten bleibt, ohne das gesamte HLK-System zu überlasten.
" Was diese Systeme besonders attraktiv macht, ist nicht nur ihre Effizienz, sondern ihre Anpassungsfähigkeit. Beide Technologien lassen sich oft mit minimalen Eingriffen in bestehende Anlagen nachrüsten, insbesondere wenn sie vorausschauend geplant wurden.
Christopher Leahy Projektdirektor

Nachrüstung und Integration: Herausforderungen in Lösungen verwandeln

Bestehende Rechenzentren bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich – von strengen Service-Level-Agreements (SLAs), die Temperaturbereiche einschränken, bis hin zu Infrastrukturen, die auf den ersten Blick nicht mit modernen Systemen kompatibel erscheinen. Doch mit intelligenter Technik und durchdachtem Design lassen sich diese Lücken effektiv schließen.

Deerns ist darauf spezialisiert, modernste Kühltechnologien sowohl in Neubauten als auch in bestehende Umgebungen zu integrieren – unter anderem durch:

  • Nutzung bestehender Kaltwasser-Kreisläufe, um Flüssigkeitskühlungssysteme zu betreiben.
  • Verwendung von Rücklaufwasser aus luftgekühlten Systemen (typischerweise ca. 32 °C) zur Versorgung von Flüssigkeitskühlkreisläufen, die effizient bei ca. 36 °C arbeiten.
  • Implementierung fortschrittlicher Gebäudeleittechnik (BMS) zur feingranularen Leistungsüberwachung – von Stromschienen über Lüfter bis hin zu Rohrleitungen.
  • Sicherstellung der Einhaltung lokaler Bauvorschriften, unabhängig davon, wo die Geräte hergestellt wurden.

Unsere Teams navigieren regelmäßig durch komplexe internationale Normen und Lieferanten-Ökosysteme, um eine nahtlose Systemkompatibilität sicherzustellen.

Regulatorischer Einfluss: Die PUE-Herausforderung

Power Usage Effectiveness (PUE- Stromverbrauchseffizienz) ist heute eine zentrale Kennzahl für Rechenzentren. Sie misst, wie viel Energie tatsächlich für den Betrieb der IT-Geräte verwendet wird – im Verhältnis zum gesamten Energieverbrauch. Ein niedrigerer PUE-Wert steht für höhere Energieeffizienz.

In Europa entwickeln sich die regulatorischen Vorschriften rasant weiter. Deutschland geht mit Energieverbrauchsgrenzen voran, und weitere EU-Vorgaben werden bald folgen. Während viele Rechenzentren früher mit einem PUE von 1,5 oder höher betrieben wurden, liegt das aktuelle Ziel bei 1,3 oder darunter. Einige Branchenführer streben sogar Werte von 1,2 oder besser an.

Deerns unterstützt seine Kunden dabei, diese Ziele zu erreichen – nicht nur durch effiziente Kühlung, sondern durch die Anwendung ganzheitlicher Energiestrategien, darunter: Echtzeit-Leistungsüberwachung, Prädiktive Energie-Modellierung, Systemdesign zur Reduzierung von Nebenlasten.

Zusätzlich prüfen wir alternative Energiequellen, wie z. B. Hydrotreated Vegetable Oil (HVO- Hydriertes Pflanzenöl) als sauberere Alternative zu Diesel-Notstromaggregaten.

Aktuell arbeiten wir mit einem innovativen Gerätehersteller in Barcelona an Testverfahren, um die Immersionskühlung durch reale Implementierungen weiterzuentwickeln. Diese praktische Erfahrung hilft uns – und unseren Kunden – der Entwicklung immer einen Schritt voraus zu sein.

Blick nach vorn: Was die nächsten 5–10 Jahre bringen

Die Zukunft der Rechenzentrumskühlung vorherzusagen ist nicht einfach. Noch vor fünf Jahren hätte kaum jemand die heutige Abhängigkeit von Immersions- und Chip-Level-Kühlung erwartet. Was wir jedoch wissen: Der nächste große Entwicklungssprung wird durch künstliche Intelligenz (KI), Edge Computing und steigende IT-Leistungsdichten vorangetrieben.

Hier sind 5 Trends, die nach unserer Einschätzung das nächste Jahrzehnt prägen werden:

  • KI-Beschleunigung
    KI-Modelle erfordern enorme Rechenleistung – wodurch die Anforderungen an die Kühlung noch weiter steigen. Kühlsysteme müssen nicht nur mithalten, sondern Wachstum antizipieren.
  • Server-Kühlungs-Co-Design
    Kühlung wird kein nachträglicher Gedanke mehr sein. Hersteller müssen Server und Chips gemeinsam mit den Kühlsystemen entwickeln.
  • Sauberere Notstromversorgung
    Diesel ist auf dem Rückzug. HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) und sogar modulare Nukleargeneratoren könnten künftig Teil nachhaltiger Energie-Strategien sein.
  • Wärmerückgewinnung
    Rechenzentren werden zunehmend Abwärme zurückgewinnen und wiederverwenden. Bei Deerns entwickeln wir bereits Systeme in Mailand, die diese Wärme in Fernwärmenetze einspeisen.
  • Erfassung des gebundenen CO₂
    Wir entwickeln Beratungsansätze, die den CO₂-Fußabdruck von der Materialbeschaffung bis zum langfristigen Betrieb erfassen und bewerten.

Kurz gesagt: Das nächste Jahrzehnt erfordert nicht nur intelligentere Kühlsysteme, sondern auch intelligenteres Denken – bei dem Innovation, Nachhaltigkeit und Leistung einheitlich geplant und umgesetzt werden.

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Erik Renkens

Geschäftsführer

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